Die 3 größten Fehler beim Schamanismus lernen

 

20 Jahre Beobachtung: Warum so viele stecken bleiben

Ich beobachte seit sehr vielen Jahren, wie Menschen versuchen, schamanische Fähigkeiten zu lernen. Viele bleiben jahrelang an derselben Stelle stecken. Sie sammeln Erfahrungen, gehen zu Workshops, schauen Videos an und lesen Bücher, aber an bestimmten Punkten kommen sie dann nicht mehr wirklich weiter.

Das Problem liegt nicht an mangelnder Begabung. Es liegt an drei grundlegenden Fehlern, die fast jeder beim schamanisch lernen macht.

Diese Fehler werden oft von Lehrern verstärkt, die selbst in denselben Mustern feststecken. Ich habe sie auch alle selbst gemacht, bevor ich verstanden habe, was wirklich funktioniert. Daher kann ich aus eigener Erfahrung berichten und erklären wie man diese Dinge überwindet beziehungsweise es gar nicht erst dazu kommen lässt.

Fehler 1: Auf die besondere Begabung warten

Viele Menschen spüren eine tiefe Resonanz zum Schamanismus. Sie fühlen, dass das Thema etwas Wichtiges mit ihnen zu tun hat. Aber dann hören sie: „Du musst auserwählt sein“ oder „Da muss etwas Großes passieren“ oder „Du brauchst eine besondere Begabung“.

Also warten sie und stecken fest, weil sie die Verantwortung für den eigenen Weg an etwas Äußeres abgeben.

Dieses Missverständnis kommt aus traditionellen schamanischen Kulturen. In einem kleinen Stamm kann nicht jeder Schamane werden. Die Stelle ist rar. Also sucht man den Begabtesten aus, weil nur einer der Nachfolger des Dorfschamanen wird. Verstehst du? Das ist eine besondere Situation.

Aber in unserer heutigen Kultur funktioniert das anders. Hier gibt es keine gesellschaftliche Struktur, die Menschen mit schamanischem Potenzial automatisch entdeckt und fördert. Niemand kommt vorbei und sagt: „Dich erwähle ich jetzt aus und mache dich zum nächsten Schamanen.”

Wenn du in unserer Kultur wartest, kannst du lange warten.

Was ich in meiner Arbeit sehe: Viele Menschen tragen ein schamanisches Erbe in sich. Das zeigt sich durch eine tiefe Affinität zu diesen Themen, eine große Resonanz, die für sie schwer zu erklären ist. Das kommt aus früheren Leben, in denen jemand bereits spirituelle Erfahrungen gesammelt hat, sein Bewusstsein entsprechend entwickelt hat und schamanisch trainiert und gewirkt hat.

Aber dieses Erbe aktiviert sich nicht von selbst. Du musst selber suchen, dich auf den Weg machen, dir das Handwerkszeug aneignen. Man muss trainieren, damit man auf dieses innere Wissen wieder zugreifen kann, in jedem Leben von Neuem. Jeder muss es immer wieder selbst wählen.

Der größte Fehler ist, zu warten statt zu wählen und zu handeln.

Fehler 2: Nur Erlebnisse sammeln und Technik trainieren

Sehr viele bleiben leider auf der mentalen Ebene stecken. Sie lesen Bücher, schauen Videos, sammeln Informationen, werten alles mental aus. Dann denken sie, sie wissen Bescheid.

Andere bleiben auf der technischen Ebene. Sie lernen zehn verschiedene Trance-Techniken, probieren alle möglichen schamanischen Reisen und Meditationen aus. Sie denken, sie brauchen nur die richtige Technik, dann machen sie die besten Erfahrungen.
Aber darauf kommt es am Ende nicht an. Eine sehr gute Technik und eine gute mentale Vorbereitung sind einfach die Basis.

Wenn du jedoch nur der Technik folgst und ein abgefahrenes Erlebnis suchst, bleibst du auf der Technikebene hängen. Du sammelst dann Sensationen. Du löst vielleicht auch mal ein Problem damit und du hast auch etwas Spannendes zum Erzählen.

Aber du entwickelst keine wirkliche schamanische Kompetenz und deine spirituelle Entwicklung bleibt auch auf der Strecke.

Schamanisches Training, das dein Potential wirklich entfaltet, geht über die mentale Ebene und die Technik hinaus. Es geht dabei darum, in Bewusstseinsebenen hineinzugehen, wo die Worte fehlen werden, wo du nicht mehr nur über etwas Bescheid weißt, sondern es bist. Hier geht es dann darum, dein eigenes Wissen zu schaffen durch innere, echte Erkenntnis. Es braucht ein Loslassen des Egos und ein Übersteigen des Mentalen.

Der große Unterschied liegt in der Ausrichtung. Bei der echten spirituellen Entwicklung geht es nicht um Gewinn, Nutzen oder ein tolles Erlebnis. Es geht darum, das Ego aufzugeben und sich hinzugeben an einen größeren Kontext, an das große Selbst, an die Ganzheit des Selbst.

Und dafür braucht man einen guten und passenden Mentor.

Das Ego hält sich selbst am Laufen. Es kommt von sich aus nicht auf die Idee, sich selbst zu transzendieren. Wenn du aus dem Ego heraus schamanisch trainierst, bleibst du im Ego. Ein Mentor, der das transzendiert hat oder hierbei sehr fortgeschritten ist, sieht das und kann dich inspirieren, dich sinnvoll in deinem individuellen Prozess anleiten. Nicht nur verbal, sondern auch durch stille Präsenz, durch Kommunikation auf höheren Bewusstseinsebenen, weil er Kanal ist für das größere Selbst. Je weniger Ego, umso mehr strahlt das Selbst und das erinnert dich auch an das Selbst und das Ego schwindet. Es ist aber auch immer eine Wahl.

Dadurch kommst du dann immer mehr auf einen echten, langfristigen spirituellen Entwicklungsweg, statt nur auf der Technikebene zu bleiben.

Fehler 3: Mythologien folgen statt Fähigkeiten aufbauen

Wenn du einer schamanischen Tradition mit einer bestimmten Mythologie folgst, mit der du selbst gar nichts anfangen kannst, wenn du an etwas glauben musst, an etwas Religiöses, das vielleicht nicht zu deiner Kultur passt, hast du ein Problem und steckst irgendwann fest.

Ein konkretes Beispiel: Das schamanische Arbeitsmodell von Oberwelt, Mittelwelt und Unterwelt.

Diese Dreiteilung kommt sehr wahrscheinlich daher, dass Menschen beobachtet haben: Wenn jemand stirbt, geht der Körper zur Erde zurück, verfault, geht in eine untere Welt zu Mutter Erde. Die Seele verlässt den Körper, ist leicht, steigt nach oben, geht in eine obere Welt. Das ist Mythologie, die aus einer echten spirituellen Erfahrung und Beobachtung entstanden ist.

Aber wenn du jetzt eine Seelenrückholung mit diesem Modell machst, wird es kompliziert.

Ich habe es mal so gelernt: Ich muss den verlorenen Seelenteil erst in der Unterwelt suchen. Dann muss ich in die Oberwelt gehen, um dort Energien für ihn zu holen. Die bringe ich dann in die Unterwelt zum Seelenteil, um ihn zurückzuholen.

Das ist ein mythologischer Aufbau. Eine Seelenrückholung hat damit teilweise eine Dreiviertelstunde gedauert, weil ich all diesen mythologischen Inhalten gefolgt bin.
Aber wenn du dich an der Essenz orientierst, geht es viel einfacher. Du gehst zu dem verlorenen Seelenteil und holst ihn zurück. Fertig. Innerhalb von wenigen Minuten erreichst du dasselbe Ergebnis. Ich habe es erlebt und beides hundertfach getestet.
Vielleicht hast du dann weniger abgefahrenes Abenteuererlebnis zum Erzählen. Und das Ego fühlt sich dadurch ganz besonders. Aber am Ende ist der Seelenteil wieder da. Und darauf kommt es an.

Was diese Fehler gemeinsam haben

Schamanismus ist ein großes Phänomen. In jeder Kultur ist es ein bisschen anders, weil das Brauchtum anders ist, die Erklärungen unterschiedlich sind, die Menschen anders leben.

Die meisten Menschen schauen auf das Brauchtum und die Kultur. Sie schauen auf die Oberfläche. Und dann verwirren sie sich selbst, weil alles so vielseitig ist, so unterschiedlich.

Was fehlt, ist in der Regel dann eine klare Struktur.

Wenn du dich an den schamanischen Fähigkeiten orientierst statt an kulturellem Brauchtum, wenn du pragmatisch bleibst, zielorientiert und moderne Erklärungen nutzt, psychologische Modelle zum Beispiel, dann zeigt sich schnell ein klarer Weg.
Ich habe über die letzten 20 Jahre diesen Weg herausgearbeitet und optimiere ihn ständig noch weiter. Es geht mir darum, was tatsächlich da ist, wirkt und funktioniert, nicht um das, was wir als Maske oben drauf setzen.

Ein klarer und sinnvoller Trainingsweg

Schamanische Fähigkeiten brauchen ein stabiles Fundament. Du kannst nicht einfach fortgeschrittene Techniken machen, ohne die Grundlagen zu trainieren. Aber genau das versuchen viele. Das Ego mag nicht zu den Anfängern gehören und “langweilige” Basis-Übungen machen. Es will am liebsten sofort Profi sein. Das Ego will gleich die spektakulären Sachen machen.

Hier ist jedoch der klare Aufbau, der wunderbar funktioniert:

Erst die Energetik optimieren. Je mehr Energie durch dein System fließen kann, umso besser läuft alles. Du brauchst immer ein bisschen mehr Energie als du hast. Die außersinnliche Wahrnehmung funktioniert besser mit mehr Energie und die Trance-Haltekraft wird stärker.

Dann den Geist beruhigen und disziplinieren. Du brauchst einen klaren und freien Geist, einen ruhigen Geist. Sonst funkt der überaktive Verstand ständig dazwischen. Ohne das läuft die außersinnliche Wahrnehmung nicht gut.

Dann übst du, gezielt in schamanische Bewusstseinszustände reinzugehen. Nicht irgendwie, sondern gezielt. Und dich auch dort zu halten.

Dann trainierst du Trance-Techniken. Das heißt, vollen Fokus auf einem nicht-alltäglichen Phänomen halten, das Bewusstsein in einer nicht-alltäglichen Wirklichkeit halten.

Danach arbeitest du mit Naturkräften und -geistern zusammen, mit z. B. Krafttieren und Pflanzengeistern. Sie helfen dir dabei, dein Bewusstsein zu erweitern, einen größeren Kontext zu sehen, deiner inneren Führung zu vertrauen.

Und erst dann konkrete Vorgehensweisen für spezifische schamanische Arbeiten üben wie etwa Seelenrückholung. Denn dann sind alle wichtigen Basics dafür da.

Es baut Schritt für Schritt aufeinander auf. Jeder Schritt bereitet den nächsten vor. Wenn du einen Schritt überspringst, fehlt dir später etwas Wichtiges.

Das Problem: Viele Menschen meditieren, machen Atemübungen, gehen auf schamanische Reisen. Sie denken, sie machen alles richtig. Aber sie verstehen nicht, was sie zuerst üben müssen, bevor das nächste kommt.

Es müssen natürlich auch die richtigen Techniken sein, die wirklich funktionieren. Nicht irgendwas machen und hoffen, dass es wirkt.

Wenn sich das Ego einmischt

Selbst wenn du den richtigen Weg genau kennst und einen klaren Übungsplan hast, versucht das Ego dennoch ständig zu sabotieren. Ich sehe das bei Schülern immer wieder. Und damit muss man umgehen können und es erkennen.

Ganz typische Ego-Fallen, die ich über die Jahre bei Lernenden beobachten konnte:
Jemand kommt plötzlich auf die Idee, die Technik abzuändern. Er macht es anders. Er überspringt Schritte. Das Ego denkt, es weiß es besser.

Oder jemand macht echte Erfahrungen, zweifelt dann aber, ob es echt war. Das Ego braucht Beweise und wünscht Bestätigung.

Oder jemand macht echte Erfahrungen und zerdenkt sie dann. Er findet Argumente, warum das jetzt nicht richtig ist. Das Ego analysiert gerne alles tot.

Oder jemand macht echte Erfahrungen, erkennt sie aber nicht an, weil er sie anders erwartet hat. Dann redet er sich ein, dass er nicht dafür geeignet ist.

Deswegen brauchst du einen Mentor, jemanden, der Feedback gibt, der sieht, wenn das Ego sich einmischt, der dich über Monate des Trainings auf dem richtigen Kurs hält, dich motiviert hält.

Am besten übst du auch ab und zu zusammen mit einem schamanischen Mentor. Das geht auch in der Gruppe sehr gut. Und das pusht dich enorm.

Was sich ändern muss

Wenn du merkst, dass du in diesen Fehlern steckst, gibt es einen Weg raus.
Aber er ist nicht immer angenehm.

Die meisten müssen leider noch mal von vorne anfangen. Auch wenn sie schon erfahren sind. Weil oft anfangs wichtige Schritte übersprungen wurden. Eine stabile Basis ist einfach unumgänglich. Die Energetik wurde nicht richtig aufgebaut. Der Geist wurde nicht wirklich beruhigt. Die Entspannungstechniken funktionieren nicht richtig. Die Trance-Techniken sind nicht solide.

Die meisten machen bei den Grundlagenfähigkeiten schon Fehler und wollen eben gleich Fortgeschrittenes machen.

Aber wenn du es richtig lernen willst, trainiere die Basics nochmal von vorne. Ganz exakt und Schritt für Schritt. Dann baut sich ein sicheres Fundament auf mit starken Wurzeln. Von dort aus kannst du dann später wirklich kreativ an dein schamanisches Erbe rangehen.

Es kommt darauf an, wie du es machst. Der richtige Aufbau mit den richtigen Techniken und mit einem Mentor, der dich gut begleitet. Das ist immens wichtig. Und das ist der große Unterschied zwischen jahrelangem Steckenbleiben und echtem Fortschritt.

Fazit

Schamanische Fähigkeiten sind trainierbar. Du musst nicht auf Begabung warten oder auserwählt werden. In unserer Kultur musst du selbst aktiv werden und dir den Trainingsweg suchen.

Erlebnisse sammeln ist nicht dasselbe wie Fähigkeiten trainieren. Spirituelle Entwicklung geht über das Ego hinaus und braucht einen Lehrer, der dich dabei begleitet, weil das Ego Wahrheit nicht erkennen kann und sabotiert.

Fremde Mythologien verwirren mehr als sie helfen. Orientiere dich besser an der Essenz, an den eigentlichen Fähigkeiten, nicht an kulturellem Brauchtum.
Der Trainingsweg baut am besten Schritt für Schritt auf: Energetik, dann Geist beruhigen, dann gezielt wichtige Bewusstseinszustände einnehmen lernen, dann Trance-Techniken, dann Zusammenarbeit mit Naturkräften und -geistern. Jeder Schritt bereitet den nächsten vor.

Das Ego sabotiert einen gerne durch Zweifeln, Zerdenken, Schritte überspringen, subtile Änderungen vornehmen und Hybris. Deswegen brauchst du Begleitung durch einen erfahrenen Mentor.

Wenn du feststeckst, fang nochmal ganz sauber von vorne an. Trainiere zuerst die Grundlagen richtig. Dann hast du ein solides Fundament für alles, was danach kommt.

Autor: Benjamin Maier

Was macht ein Schamane?

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Schamanen sind die Bewahrer des alten Wissens und der Gebräuche. Sie sind Heiler, Seher und oft auch spirituelle Berater und Medien.

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Schamanismus ist ein uraltes Brauchtum. Im Zentrum stehen ekstatische Bewusstseinsreisen und die tiefe Verbindung zur Natur.

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