Ist Schamanismus gefährlich?
Schamanismus kann gefährlich sein
Wie das meiste in der Welt, kann auch Schamanismus einen Schaden bringen. Auch Autofahren, Ski fahren und sogar Essen zubereiten kann gefährlich sein. Aber nur weil etwas auch gefährlich sein kann, es aber überwiegend und bei sinnvoller Herangehensweise sehr großen Nutzen bringen kann – sollten wir es nicht meiden, oder? Nur weil Menschen durch Auto-Unfälle sterben, hören wir nicht generell auf Auto zu fahren. Es gibt immer Menschen, die betrunken, übermüdet oder ohne Führerschein Unfälle verursachen. Deshalb wäre es Quatsch für alle anderen das Autofahren aufzugeben, wenn es ihnen ihr Leben enorm erleichtert.
Beim Schamanismus ist es sogar noch offensichtlicher, dass man so eine Aussage nicht verallgemeinern kann, denn es gibt nicht den einen Schamanismus. „Schamanismus“ ist einfach ein Sammelbegriff für magische Praktiken in Verbindung mit Naturkräften und in der Regel mit Trance-Techniken durchgeführt. Im Grunde kann man sagen, dass jeder, der schamanisch arbeitet, es anders macht. Vergleicht man weltweit, gibt es sehr große Unterschiede.
Während es z. B. in manchen Gegenden kulturbedingt üblich ist ein Tier zu schlachten für ein schamanisches Ritual, wäre das hier in unserer Kultur ein Nogo. Stelle dir vor, du würdest für jede schamanische Sitzung ein Tier schlachten müssen. Das braucht es natürlich nicht. Das ist nicht nötig. Aber wenn es irgendwo zum traditionellen Brauchtum dazu gehört, dann sollte man das nicht werten. Für die Tiere wäre das auf jeden Fall sehr gefährlich.
Schamanismus ist genau so gefährlich und nicht gefährlich wie ein Brotmesser, ein Auto oder ein Skilift. Vieles, unsachgemäß oder verantwortungslos verwendet, kann gefährlich sein.
Wie und wann genau kann Schamanismus gefährlich sein?
Um diese Frage zu beantworten, muss man sich anschauen, was schamanisch bewirkt und wie Schamanismus genutzt werden kann. Da Schamanismus ein immens großes, weltweites Phänomen ist und ich nicht alle potentiellen Möglichkeiten für eine schamanische schadhafte Anwendung aufzählen kann und mit Sicherheit nicht kenne, möchte ich auf ein paar deutliche Bespiele eingehen, von denen ich weiß.
Im Laufe der letzten 20 Jahre habe ich vieles selbst erlebt, habe durch Menschen in meinen Sitzungen und Seminaren vieles erzählt bekommen und ich habe auch immer wieder Dinge gelesen. So ergibt sich eine Mischung aus persönlichem Wissen und an mich herangetragenen Infos.
Ich möchte jedoch auch wirklich betonen, dass das alles Ausnahmefälle sind. Schamanismus bietet fantastische Möglichkeiten sehr viel Gutes zu tun und auch für einen echten, tiefgreifenden spirituellen Entwicklungsweg.
Schädlicher Einsatz von Psychedelika
Psychedelika sind im Schamanismus besondere Pilze, Pflanzen oder Tiersekrete, die das Bewusstsein öffnen können. Durch die Veränderung z. B. bestimmter Neurotransmitter-Vorgänge im Gehirn, wird das kognitive System verändert oder gar vorübergehend ausgeschaltet und damit das Bewusstsein für andere Dimensionen geöffnet. Die Wahrnehmung verlagert sich ins nichtalltägliche Sein. Psychedelika öffnen den Menschen auch für die eigenen unbewussten Bewusstseinsinhalte und das sehr direkt. Sie können den Menschen mit seinem Erleben in nichtalltägliche Dimensionen tragen.
Grundlegend ist das eine feine Sache. Jedoch muss man sich sehr gut damit auskennen oder braucht dabei einen Mentor, der an jeder Stelle genau weiß, was zu tun und zu lassen ist und der den Rahmen hält. Außerdem ist nicht jeder Mensch wirklich bereit dafür. Und es kann sein, dass das Erfahrene zu überfordernd oder zu verwirrend ist. Problematisch ist es dann, wenn man das Erlebte nicht oder nur teilweise verarbeiten kann. Die Erfahrung wird dann nicht ins Alltägliche integriert und kann das ganze Leben ins Chaos stürzen und den Menschen in eine große Lebenskrise. Je nachdem wie damit umgegangen wird, kann ein Mensch dadurch enormen Schaden erleiden.
Zu bedenken ist dabei auch, dass man kaum Kontrolle darüber hat, wie die Psychedelika wirken. Man kann einen guten Rahmen dafür schaffen, eine kompetente Begleitperson dabei haben, aber am Ende wirkt es, wie es wirkt und wirkt so lange, bis die entsprechenden Substanzen aufhören zu wirken. Und die Intensität kann nicht zurück genommen werden. Man muss da dann einfach durch, ob man das dann will oder nicht. Es gibt kein Zurück. Und je nachdem, wie die Erfahrung ist, kann das wunderbar erleuchtend sein, aber auch schrecklich und düster. Damit muss man umgehen können und so bereit dafür sein, wie das irgendwie möglich ist. Der Einsatz von Psychedelika ist meiner Recherche nach jedoch eher weniger verbreitet im Schamanismus, auch wenn viele es anders vermuten.
Machtmissbrauch durch den schamanischen Praktiker oder Lehrer
Die schamanische Arbeit findet auf geistig-energetischer Ebene statt. Daher ist sie nicht direkt überprüfbar für einen Klienten oder einen Schüler. Nur die Auswirkungen im Leben, die man dann konkret beobachten kann, sind ein deutlicher Hinweis darauf, ob gut oder schlecht gearbeitet wurde. Ein tolles Trance-Erlebnis ist kein Indiz für eine gute Wirkung allein. Sonst würde auch Show-Hypnose reichen. Das heißt, dass ein Klient oder Schüler großes Vertrauen haben muss dem schamanischen Praktiker oder Lehrer gegenüber. Wenn der Praktiker oder Lehrer hiermit nicht demütig und verantwortungsbewusst umgeht, sondern sich vielleicht in seinem Ego geschmeichelt fühlt oder selbst diverse unerlöste Themen in sich trägt, besteht die Gefahr, dass dieses Vertrauen ausgenutzt wird. Ein solcher Praktiker oder Lehrer sollte dann dringend in Therapie oder eine Supervision besuchen, aber keineswegs weiter seine egoistischen Machtspiele mit Hilfe suchenden Menschen ausleben.
Leider sind bei mir in Sitzungen recht oft Menschen aufgetaucht, die genau so etwas berichtet haben. Natürlich hat man es auch mal mit unerlösten Themen von Klienten zu tun, die auf einen sehr guten Schamanen projiziert werden, aber es gibt tatsächlich auch viele schamanische Praktiker oder auch „spirituelle“ Lehrer, die am Ende nur versuchen ihr eigenes Ego zu erhöhen und ihre eigenen Probleme versuchen an Schülern oder Klienten auszuagieren. Im großen Bereich der esoterischen Angebote, findet man leider sehr große Egos. Ein Ego bekommt schnell einen Höhenflug, wenn es merkt, dass andere zu ihm aufschauen. So entstehen schnell Personenkulte. Und dabei hilft nur Demut.
Schamane arbeitet aus dem Ego heraus
Wenn ein schamanischer Praktiker seine eigenen Themen nicht aus der Session heraus halten kann, dann wird er dazu neigen übergriffig zu arbeiten. Man erkennt das daran, dass er dann so auftritt als kenne (nur) er DIE Wahrheit und als wäre seine Sicht die einzig wahre und der Klient oder Schüler müsse nun diesem Weg folgen und das glauben, was der Schamane sagt, sonst könne er ihm nicht weiter helfen. Das ist nicht schamanisch, das wäre eher der Bereich Religion: „Glaube, sonst bist du von Gott verlassen“.
Ein guter Schamane sollte, denke ich, immer ohne Ego arbeiten, also immer im Sinne des Seelenplans des Klienten. Und ein schamanischer Lehrer sollte seine Schüler stets dazu anregen kritisch zu sein, nicht alles einfach so zu glauben, sondern selbst Erfahrungen zu sammeln und eigenes Wissen zu schaffen. Denn nur das macht frei und selbstbewusst. Und genau DAS bietet uns ja der Schamanismus: Die Möglichkeit eigene, echte spirituelle Antworten zu finden und nicht mehr glauben zu müssen. Jedoch sollte der Schamane auch auf seine Erfahrungen zurückgreifen und menschlich präsent sein. Die Mitte hier zu finden ist von Bedeutung: Das Ego draußen lassen, aber menschlich präsent sein.
Sobald ein Schamane aus dem Ego heraus arbeitet, also beginnt zu denken, ER wisse am besten, was für den Klienten gut und richtig ist, ist das der Anfang vom Ende. So eine Session kann nur in die Hose gehen und dann auch Schaden anrichten. Denn hierbei wird garantiert etwas magisch bewirkt, das nicht im Sinne des Seelenplans ist, aber im Sinne des selbstbeweihräucherten Egos des Schamanen.
Finanzielle Abzocke durch Fake-Schamanen
Hierbei erleidet man zwar keinen gesundheitlichen Schaden, aber der Geldbeutel leidet. Es gibt in Urlaubsgebieten Fake-Schamanen, die Touristen etwas vorgaukeln, um ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Außerdem gibt es in der hiesigen Esoterik-Szene immer wieder schwarze Schafe, die es nur auf das Geld abgesehen haben und damit den Grundwert des Schamanismus mit Füßen treten: Alles ist miteinander verbunden.
Das Problem ist dabei, dass ein Hilfe Suchender vorab nicht immer gut prüfen kann, ob er an einen echten oder einen falschen Schamanen geraten ist. Ein Laie kann das oft nur sehr schwer feststellen, besonders, wenn große Versprechen gemacht werden, das Verkaufstalent des falschen Schamanen groß ist und er gut schauspielern kann. Das Spiel mit traditionellem Schmuck und klischeehaften Accessoires können hierbei das Vertrauen von Unbedarften erwecken helfen. Man darf jedoch nicht den Fehler machen, nur weil es einige wenige Abzocker gibt, gleich auf alle anderen zu schließen, die die große Mehrheit ausmachen und sehr gute Arbeit leisten.
Schamanismus als Ersatz-Religion missbrauchen
Seit die großen Religionen immer mehr Anhänger verlieren, suchen moderne Menschen ihren spirituellen Halt wo anders. Wenn jedoch das Mindset und die Erwartung sind, dass da jemand oder etwas sein soll, wie ein Priester oder ein Dogma, das einem vorgibt, was richtig und was falsch ist, dann ist es egal, wem oder was man folgt. Denn man bleibt dann weiter unmündig. Man gibt weiter die Verantwortung für die eigene Spiritualität in fremde Hände. Man gibt sie ab und damit verwehrt man sie sich schließlich selbst.
Meine Beobachtung ist, dass es Menschen gibt, die können nicht mehr mitgehen mit z. B. dem Christentum, weil es einfach nicht mehr zeitgemäß ist oder zu dogmatisch. Und sie suchen sich einen Ersatz dafür. Der Schamanismus ist sehr ansprechend, weil es um Naturverbundenheit geht und um ursprüngliche Spiritualität. Das auftauchende Problem ist dabei jedoch nicht der Schamanismus, sondern problematisch wird es, wenn der Schamanismus aus den falschen Gründen gewählt wird, wie etwa als Ersatz für eine Religion oder um Verantwortung abzugeben.
Schamanismus hat kein Dogma. Da gibt es keine normative Moral. Schamanismus konfrontiert dich direkt mit dir selbst, mit deiner eigenen Verantwortung. Er stellt dich vor die Wahl selbst deine spirituellen Antworten zu finden, durch eigene Erfahrungen. Und wer dann schamanisch praktizieren möchte, diese Wahl aber nicht treffen, der stürzt in eine Krise. Er steht sich selbst im Weg. Das kann schaden. Aber es ist ein selbst gemachter Schaden, weil man den Schamanismus als Ersatz-Religion missbrauchen wollte, als Projektionsfläche, um die Verantwortung über das eigene Schicksal weiterhin an ein Dogma abzutreten.
Worauf du unbedingt bei Schamanen achten solltest
Das Gute ist, dass meiner Einschätzung nach die meisten schamanisch Praktizierenden gute Arbeit leisten. Es ist also leichter an jemand Gutes zu geraten als an jemand, der dir schaden könnte. Dennoch möchte ich dir hier ein paar Tipps mit auf den Weg geben, die dir helfen werden, schwarze Schafe unter den Schamanen zu erkennen:
Heutzutage ist es leicht im Internet zu recherchieren. Und das solltest du tun. Wenn du nichts findest, dann frage Leute, die Erfahrungen mit demjenigen gesammelt haben. Suche nach Testimonials, Rezensionen, Feedbacks oder gar Bücher, die derjenige geschrieben hat. Viele haben heutzutage auch eine Website oder Social-Media Accounts. Schau dir denjenigen genau an. Wer ist das? Weiß derjenige wovon er spricht? Spricht er aus Erfahrung oder plappert der nur nach? Nutzt er viele esoterische Floskeln oder spricht er auch verständlichen Klartext? Ist sein Angebot transparent? Wie gut kann derjenige erklären, was er tut? Daran kannst du gut abschätzen, ob du einen Schamanen oder eine Schamanin gefunden hast, der oder die weiß was er oder sie tut und auch vertrauenswürdig ist.
Achte auch unbedingt auf das Preis-Leistungsverhältnis. Wenn der Inhalt stimmt und umfangreich ist, dann muss auch der Preis entsprechend sein. Wenn es zu billig ist, ist möglicherweise das Inhaltsversprechen nicht aufrichtig. Und wenn es zu viel Geld für zu wenig Inhalt ist, dann stimmt auch etwas nicht. Es muss angemessen sein. Vergleiche auch mit anderen Anbietern.
Mein Tipp ist auch, dich nicht vom äußerlichen Auftreten einlullen zu lassen. Wenn es zum Brauchtum und zur Kultur dazu gehört bestimmte Kleidung zu tragen oder Körperbemalung und Ritualgegenstände einfach Teil davon sind, dann ist es so. Auch, wenn sich jemand damit stark in Resonanz befindet und es ihm hilft besser schamanisch zu wirken, dann gehört das einfach dazu. Aber wenn jemand diese Dinge nur benutzt, um „schamanischer“ zu wirken und es nur eine Verkaufs- oder Ego-Show ist, solltest du auch sehr vorsichtig sein. Man erkennt einen echten und guten Schamanen nicht am Federschmuck in den Haaren, sondern an dem, was und wie er es sagt, seiner Haltung und was er tatsächlich bewirkt. Achte auf deine Intuition und auf Sympathie.
Autor: Benjamin Maier
Schamanisch mit echten Krafttieren arbeiten
Das Phänomen Krafttier ist komplex. Und anfangs stellt sich die Frage, wie man echte Wahrnehmung von Fantasie unterscheidet?
Schamanische Selbstfürsorge
Schamanische Selbstfürsorge ist vor allem energetische Selbstfürsorge: Bewusstsein, Energiefresser, Erdung, Abgrenzung, Kapazität.
Warum wir Schamanismus brauchen
Auf dem Weg der Technologie und Rationalität haben wir etwas Wichtiges verloren: Echte Wahrnehmung und Verbundenheit.
Was ist schamanische Heilung?
Schamanische Heilarbeit ist spirituelle Geistheilung. Im schamanischen Menschenbild sind wir leuchtende Wesen.
Wie ist der Ablauf einer schamanischen Sitzung?
Eine schamanische Sitzung ist sehr individuell. Dennoch hat die Heilarbeit natürlich bestimmte Inhalte und ein besonderes Setting.
Was ist eine schamanische Trance-Reise?
Mit einer schamanischen Trance-Reise gelangen wir in nichtalltägliche Ebenen des Lebens, um zu lernen.
Was macht ein Schamane?
Schamanen sind die Bewahrer des alten Wissens und der Gebräuche. Sie sind Heiler, Seher und oft auch spirituelle Berater und Medien.
Was ist Schamanismus?
Schamanismus ist ein uraltes Brauchtum. Im Zentrum stehen ekstatische Bewusstseinsreisen und die tiefe Verbindung zur Natur.







